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Vorbereitung
auf die Tour
du Mont Blanc

Ratgebern / Vorbereitung auf die Tour du Mont Blanc
Die Tour du Mont Blanc ist eine der schönsten Trekkingtouren Europas. Mit ihren 170 km und etwa 9000 Höhenmetern kann die Tour in zehn Tagen, einer Woche oder – für die Sportlichsten – gar an einem Tag bewältigt werden. Aber bevor man sich an den berühmten Ultratrail UTMB heranwagt, kann man die Tour du Mont Blanc auch in einem anderen schnellen, jedoch zugänglicheren Format angehen, nämlich als „Fast-Hiking“-Tour.

Natürlich ist nicht jeder in der Lage, die 170 km an einem Stück hinter sich zu bringen. Aber immer mehr Outdoorbegeisterte stellen sich der Herausforderung, die legendäre Trekkingtour auf minimalistische Art und Weise zu wandern: Längere Tagesetappen ermöglichen dabei, schneller voranzukommen.

Und gemeinsam mit Alessandra Schmid hatte auch ich mir dieses Ziel gesetzt. Wir sind beide Trailläuferinnen und Alpinskifahrerinnen in den französischen bzw. Schweizer Nationalteams, und wir wollten ein schönes Expressabenteuer erleben und dabei das Heimatland der anderen besichtigen.

Alpinisme
Randonnée

Welche ist die beste Jahreszeit für die Tour du Mont Blanc (TMB)?

Der Sommer, von Mitte Juni bis Mitte September, ist die beste Jahreszeit, um die Tour du Mont Blanc zu wandern. In diesen Monaten sind die Tage lang, der Schnee in den Höhenlagen ist geschmolzen und die Hütten sind geöffnet.

Wir haben uns für Ende August entschieden, um die besten Chancen auf gutes Wetter zu haben. Auch in Bezug auf unsere Terminpläne hat es für uns zu diesem Zeitraum am besten gepasst. Unsere einzige Sorge waren die vielen Menschen auf der Tour im August. Da wir das Datum relativ spät festgelegt haben (einen Monat vorher), mussten wir bei den Hüttenübernachtungen etwas flexibler sein, denn die ersten Hütten, in denen wir übernachten wollten, waren schon ausgebucht. Deshalb haben wir die erste Nacht im Wohnmobil geschlafen. Daher mein Tipp: Denkt bei der Planung der Tour du Mont Blanc daran, die Übernachtungen in den Hütten mindestens zwei Monate im Voraus zu buchen, damit euch böse Überraschungen erspart bleiben, vor allem mitten im Sommer. Bei vielen Hütten sind Stornierungen bis 48 Stunden vorher möglich, sodass ihr im Falle schlechten Wetters trotzdem noch flexibel seid. Wenn ihr eure Trekkingtour lieber in Ruhe genießen möchtet, dann empfehle ich euch, sie eher im Juni oder September zu planen, wenn weniger los ist.

Fast-Trekking und Abkürzungen auf der Tour du Mont Blanc

Es war nicht leicht für uns, ein passendes Zeitfenster innerhalb unserer bereits vollgepackten Terminkalender zu finden, aber schließlich konnten wir uns auf drei Tage einigen. Also haben wir die Touretappen entsprechend berechnet: 170 Kilometer durch 3 Tage, das macht 57 Kilometer pro Tag – nicht ohne für einen Tagesmarsch! Zwar sind wir Profisportlerinnen, aber 60 Kilometer an einem Stück entspricht dennoch nicht ganz unserem üblichen Tagespensum ... Mit ein bisschen Organisation und kleinen logistischen Tricks konnten wir die Kilometerzahl zum Glück etwas herunterschrauben.

In welche Richtung wandert man die Tour du Mont Blanc (TMB) am besten?

Wir haben uns dafür entschieden, die TMB in die klassische Richtung zu wandern, also von Les Houches bis nach Argentière. Aus zwei Gründen war diese Wahl für uns ganz selbstverständlich:

  • 1. Die meisten Leute wandern in dieser Richtung, d. h. man muss nicht ständig anderen ausweichen.
  • 2. 2. In dieser Richtung wird auch der UTMB gelaufen. Falls uns eines Tages doch der Ultratrail-Wahn packt, kennen wir die Strecke schon! (Scherz)

Die Etappen der Tour du Mont Blanc

1. Etappe: Les Houches – Les Chapieux (35 km – 3000 Höhenmeter aufwärts)

Wir haben mit einer eher lockeren Etappe gestartet, um uns erst mal „gemütlich“ einzulaufen.

Unsere ursprüngliche Strecke sollte am Refuge des Mottets enden. Dafür wollten wir die alternative Route nehmen, die vom Col de Bonhomme runter zum Refuge des Mottets führt. Allerdings waren wir bei der Streckenplanung etwas spät dran und wir konnten leider keinen Schlafplatz mehr in der Hütte reservieren. Also sind wir bis zum Refuge de la Nova in Les Chapieux hinabgestiegen ... Dort hatten wir ein Wohnmobil zum Übernachten abgestellt. Eine kleine logistische Anpassung, die dadurch erleichtert wurde, dass ich direkt nebenan wohne!

2. Etappe: La Ville des Glaciers – La Fouly (50 km – 3000 Höhenmeter aufwärts)

Der zweite Tag war der längste. Der Plan war, vier Pässe, drei Länder und mehr Kilometer auf einmal hinter uns zu bringen, als wir überhaupt in unserem ganzen Leben an einem Stück bewältigt haben. Dazu brauchten wir viel Energie, und zwar in Form von Riegeln!

In Wirklichkeit wäre diese Etappe noch viel länger gewesen, nämlich 60 km mit 3400 Höhenmetern aufwärts. Das war für unsere kleinen Beine aber ein sichtlich zu ehrgeiziges Ziel.

Deshalb haben wir entschieden, einige Teile auszulassen:

  • Les Chapieux – Ville des Glaciers: Shuttle (weniger als 5 km)
  • Courmayeur – Planpincieux: Shuttle (weniger als 5 km)

Dank der Shuttle konnten wir die beiden Streckenabschnitte etwas verkürzen. Im Sommer fahren die Busse regelmäßig fast alle 15 Minuten: perfekt, um das Vesper auszupacken, bevor es weitergeht!

3. Etappe: La Fouly – Argentière (38 km – 2500 Höhenmeter aufwärts) (²La Fouly – Chamonix = 46 km – 2600 Höhenmeter aufwärts und 3100 Höhenmeter abwärts)

Der dritte Tag unserer Mont-Blanc-Tour war ähnlich lang wie der erste. Wir entschieden uns, bis nach Argentière zu wandern und die Tour dort zu beenden. Der Grund dafür war vor allem die Logistik, denn wir hatten nicht die zusätzlich nötige Zeit eingeplant, um vor der Abfahrt von Alessandras Zug bis nach Chamonix zu wandern. Außerdem kennen wir das Chamonix-Tal eh schon gut, weshalb diese letzte Etappe für uns weniger interessant war.

Als wir morgens in La Fouly losliefen, waren wir angenehm überrascht, dass unsere Beine weniger müde waren, als wir erwartet hätten. Das lange Tal von La Fouly bis nach Issert lässt sich angenehm wandern, und so konnten wir unsere Beine sanft aufwärmen, bevor wir den Aufstieg nach Champex und anschließend die Fenêtre d‘Arpette in Angriff nahmen. Diese alternative Route hatten wir uns aufgrund der unglaublich schönen Landschaft und der zusätzlichen technischen Passagen ausgesucht. Der letzte Teil des Aufstiegs führt über eine Geröllwand und auf dem oberen Weg genießt man eine wunderschöne Aussicht über den Trientgletscher. Der Abstieg auf der anderen Seite des Fensters ist zu Anfang genauso technisch, sodass Vorsicht und Konzentration bei jedem Schritt geboten sind.

Der Aufstieg zum Col de la Balme ist sehr schön, aber auch ziemlich lang. Er zieht sich über mehrere Kilometer; der letzte Anstieg bevor es wieder runter ins Chamonix-Tal geht. Ein Tipp: Denkt nicht schon zu früh während des Aufstiegs an das leckere Eis, das ihr euch zu Ende des Tages gönnen werdet!

Der Abstieg nach Argentière war ein guter Test für unsere Bein- und Kniemuskeln, die langsam anfingen, durch die Abnutzung etwas zu schmerzen. Mehr als einmal haben wir uns gefragt, in welchem Zustand wir uns befunden hätten, wenn wir die gesamte Strecke an einem Stück zurückgelegt hätten. Bei unserer Ankunft in Argentière hatten wir uns das Eis trotzdem mehr als verdient. Unser Eistipp: Le Fournil Chamoniard, der Umweg lohnt sich allemal!

Die nötige Ausrüstung für die Tour du Mont Blanc

Mit leichtem Gepäck unterwegs, ohne dabei die wichtigsten Dinge zu vergessen:

  • 1 gutes Paar Trailrunningschuhe, die eingelaufen und im Gelände getestet wurden, um böse Überraschungen wie Blasenbildung zu vermeiden
  • 1 Shorts
  • 2 Funktions-T-Shirts, die Schweiß gut ableiten und schnell trocknen
  • 3 Paar Socken und Unterhosen (absoluter Minimalismus ja, aber auf ein gewisses Maß an Hygiene sollte man trotzdem nicht verzichten)
  • 1 winddichte, leichte Hardshelljacke
  • 1 dünnes, leichtes Fleeceoberteil
  • 1 Strumpfhose
  • 1 Paar Flip-Flops für die Hütte
  • 1 Zahnbürste + Zahnpasta
  • 1 kleine Sonnencreme
  • 1 Sonnenbrille
  • 1 Schirmmütze
  • 2 Softflasks (je 500 ml; auf dem Weg gibt es zahlreiche Möglichkeiten, Wasser aufzufüllen)
  • 1 Paar Unterhandschuhe für die kälteren Bergpässe
  • 1 Rucksack mit mehr als 15 Litern Fassungsvermögen
  • 1 Paar 3-teilige Trekkingstöcke (sie lassen sich am platzsparendsten zusammenfalten)
  • Bargeld, um in der Hütte einen Kaffee oder Nachtisch zu kaufen
  • 1 Handy + Ladekabel
  • 1 kompakte Stirnlampe
  • 1 Rettungsdecke
  • 1 Signalpfeife
  • 1 kleines Erste-Hilfe-Set
  • 1 medizinische Gesichtsmaske, falls während der Tour noch Coronabeschränkungen gelten
  • Blasenpflaster

Die nötige Verpflegung für die Tour du Mont Blanc

  • 1 Vesper für die Verpflegung am ersten Tag
  • 9 Müsliriegel und Fruchtmus, etwa 2–3 pro Tag
  • An den restlichen Tagen könnt ihr die Brotzeit in den Hütten, in denen ihr übernachtet, oder unterwegs (am zweiten Tag in Courmayeur, am dritten Tag in Champex) kaufen.
  • Evt. Hydrationstabletten zur ausreichenden Flüssigkeitsversorgung

Mein Tipp: eine Woche vor der Tour Benzoetinktur auf den Füßen anwenden, damit die Haut trocknet und gestärkt wird. Das verhindert Blasenbildung.