Bergsteigen
08.09.2015

Advanced Alpine Guide Course im Staat Washington

Der amerikanische Bergführer-Verein (AMGA = American Mountain Guides Association) = hat kürzlich einen „Advanced Alpine Guide Course“ ins Leben gerufen, ein Test für diejenigen, die danach streben, Führer im Nationalpark des Nord-Kaskaden-Gebirges zu werden. Andrew Councell berichtet.

„Kurz nach einem grausam heißen und feuchten Winter hat der diesjährige heiße und trockene Sommer die Gletscher des Staats Washington nicht verschont. Auf Gipfeln wie zum Beispiel dem Mt. Shuksan und dem Mt. Baker sind die Gletscherbedinungen typisch für Ende September, obwohl erst Mitte August ist. Es ist jedoch sehr wahrscheinlich, dass die Kletterer und Bergsteiger als einzige hierüber beunruhigt sind; der Gletscherschwund ist in den Augen der Öffentlichkeit nichts Neues. Indessen werden die verhängnisvollen Folgen der aktuellen Klimasituation auf allen Fernsehsendern des Landes gezeigt: die Waldbrände geraten außer Kontrolle und reißen Häuser und Leben in den Flammen mit sich. Der Lauf hat also unter diesen Bedingungen stattgefunden.“

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„Trotz Versorgungsausfällen, Straßensperrungen, verqualmter Luft, Anhäufungen von gefallenen Fels- und Eisblöcken und endloser Tage unter der erbarmungslosen Sonne ist es einigen Ausbildern und mir gelungen, diesen großartigen Testlauf zu bewältigen. Die alpine Umgebung birgt zahlreiche Gefahren, wie die bereits erwähnten Fels- und Eisblöcke. Es gibt aber auch viele unterschwellige Bedrohungen: Das Seil mindert natürlich bestimmte Gefahren, indem es uns miteinander - oder mit dem Berg - verbunden hält und dadurch den Sturz eines Kletterers verhindert, aber es kann auch Gefahren auslösen, indem es auf Felsen trifft, die auf die unterhalb befindlichen Kletterer fallen können. Viele der Führer, die am Prüfungsverfahren der AMGA teilnehmen, werden auf Kletterrouten mit massiverem Fels ausgebildet. Daher müssen bestimmte Gewohnheiten abgelegt werden, denn sie müssen ebenfalls lernen, auf Gipfeln mit bröckelndem Gestein in völliger Sicherheit mit dem Seil zu führen. Und im Nord-Kaskaden-Gebirge ist derartiges Gestein überall vorzufinden.“

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„Der brüchigste Fels, mit dem wir es aufnehmen mussten, befand sich zweifellos gleich am Anfang des Laufs, auf den Routen „NW Rib“ und „NE Ridge“ des Mount Shuksan. Einige Gesteinsfragmente waren bereits herabgefallen und lagen auf den Rändern der Felswand und der Schluchten. Unterlagen, die solide zu sein schienen, brachen manchmal ab, sobald ein Fuß aufgesetzt wurde. Ein Felsblock, der sich unter dem Fuß eines meiner Gefährten ablöste, landete auf meinen Fingern. Ein anderes Problem mit abbrechendem Fels besteht darin, dass das Anbringen von Sicherungspunkten erschwert wird. Die Schüler verstanden dies sehr gut. Glücklicherweise jedoch war unsere Fortbewegung während der meisten Zeit unseres alpinen Kletterns einfach genug, sodass wir nicht gezwungen waren, die Festigkeit unserer Verankerungen zu testen... “

 

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„Ich glaube, jeder hat erleichtert aufgeatmet, als der Lauf in das Gebiet des Washingtonpasses verlegt wurde, wo der Liberty Spires eine wesentlich bessere Fels- und Kletterqualität bietet. Diese Granittürme aus dem Osten sehr beängstigend aus, aber sie bieten ein erstaunlich leichtes/mittelschweres Kletterniveau an ihren West- und Südwänden. Da das Ziel dieses Laufs „alpines Klettern“ als Gegensatz zu klassischem „Sportklettern“ war, suchten wir nach Routen, die mit unseren Berschuhen technisch einfacher zu erklettern waren. Nach zwei Tagen „entspannten“ Kletterns haben wir uns erneut nach Westen aufgemacht, diesmal zum Kaskadenpass. Das Team betrachtete die Passage durch die Gefahrenzone auf dem Weg zur Route W.Ridge der Verbotenen Gipfel Die bekannteste Gegend ist zweifellos das Becken von Boston, wo sich die Verbotenen Gipfel und die „W. Ridge“-Route, einer der „Fünfzig Kletter-Klassiker“, befinden. Dies war der Prüfungsteil des Laufs, und wir hatten wieder einmal perfekte Wetterverhältnisse... Dann begegneten wir der echten Herausforderungen der zerfallenen Gletscher, wo wir der Ablösung etlicher Teile beiwohnten, die bis zum Fuß des Berges hinabstürzten. Daher haben wir nur wenig Zeit in diesem Gebiet verbracht und blieben stattdessen auf den felsigen Bergrücken. Die Weitläufigkeit der Wildnis der Nordkaskaden bot uns trotz der Waldbrände im Osten einen Ausblick von 360°. Von einer Aussicht wie dieser bekommt man niemals genug und die Schönheit dieser Orte macht die Risiken des Bergsteigens umso lohnender.