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Gemeinschaft
 

 

Marion Poitevin

Französische staatsangehörigkeit
33 Jahre alt
Da sie von Natur aus neugierig ist, hat sie schon eine Vielzahl von Disziplinen ausprobiert. Die Besteigung eines 7.150igers in Indien, das Überqueren der Nordsee in einem Segelboot, Steep-skiing in den Dolomiten oder auf Baffin Island am nördlichen Polarkreis oder auch die große Wand des El Capitan in Kalifornien, die sie einige Male bewältigte. Sie erhielt auch das Diplom Bergführeranwärter. Sie war die erste Frau in der High Mountain Military Group und ist nun Instruktor für Gebirgsjäger an der Militärschule Haute Montgne in Chamnix. Sie liebt es ihre Leidenschaft mit anderen zu teilen und diese dazu zu bewegen, an sich zu glauben und aus sich heraus zu gehen. Insbesondere wenn es darum geht noch weitere Freunde fürs Klettern zu begeistern.
« Ich wünsche mir, dass die Alpinausstattung für Frauen genauso technisch und praktisch ist, wie jene für Männer.  »
 
INTERVIEW
+ Was sind deine drei größten Erfolge in den Bergen ?

Den Mont Blanc du Tacul mit Thomas Emonet über den Supercouloir zu erklettern. Wir hatten zwar nicht die notwendige Erfahrung, aber wir hatten den nötigen Ehrgeiz.

Die Überquerung des Arêtes de la Meije mit Aude Aznavour. Das war meine erste Exkursion in Les Ecrins mit einem Freund. Die anderen Seilschaften trauten ihren Augen nicht – ich war 19 und Aude ist sehr klein. Aber am Gipfel warteten wir auf die anderen!

La Boivin in der Nordostwand des Dôme des Ecrins, mit Jérôme Para. Ich war keine geübte Kletterin, aber Jérôme hat an mich geglaubt und deshalb kletterte ich gut.

+ Mit wem übst du Bergsport am liebsten aus ?
Mit meinen Mädls! Wir sind auf derselben Wellenlänge und deshalb geht alles leichter. Und es ist weniger konkurrenzbetont als mit den Männern.
+ Deine beste Erfahrung, dort oben ?
Am Gipfel des Mont Blanc du Tacul. Es begann dunkel zu werden und der Helicopter der PGHM [mountain police] flog nur wenige Meter entfernt vorbei. Anscheinend hielten die nach einer Seilschaft Aussschau. Wir waren dem Ganzen so nahe und doch so fern.
+ Und die schlimmste… ?
Während wir kletterten, rutschte ein Freund aus, der nicht am Belay Point gesichert war. Das dritte Mitglied unserer Kletterpartie hat mich zum Verletzten hinuntergelassen, 25 Meter unter uns auf einen Schneevorsprung. Mein Partner und ich hatte ebenfalls kein Handy dabei. Ich hatte es unten im Rucksack gelassen. Der Helm des Verletzten war mit Blut überströmt und er selbst war bewusstlos. Ich wartete mit ihm 90 Minuten lang, während eine andere Partie nach unten stieg, um Hilfe zu holen. Das Wetter war zu schlecht für den Helicopter und so musste das Rettungsteam zu Fuß zu uns aufsteigen. Leider wurden beim Verletzten bleibende Schäden diagnostiziert. Seitdem habe ich IMMER mein Handy dabei.
+ Was machst du gerne, wenn du nicht in den Bergen bist ?
Essen gehen, Drachenfliegen, Klavier spielen, segeln, Fallschrimspringen, Party, chillen. 
+ Wie schaut deine Arbeitseinbindung im Millet Design Centre und in der Produktentwicklung im Allgemeinen aus ?
Mit meinen Mädls! Wir sind auf derselben Wellenlänge und deshalb geht alles leichter. Und es ist weniger konkurrenzbetont als mit den Männern.
+ Wie siehst du die Entwicklung deiner Disziplin in den nächsten Jahren ?
Es wird immer mehr Frauen geben! Aber diese brauchen ihren Freiraum und sie müssen sowohl bestärkt als auch ermutigt werden. Hinsichtlich der Erstbesteigungen haben die Männer schon alles erledigt. Es sind die Regeln, die sich ändern: mit oder ohne Sauerstoff, Alpin- oder Freestyle, die Zeitmessung, etc. Was nun die Frauen betrifft, ist noch einiges zu tun: Die vierzehn 8.000er Gipfel sind gerade erst bewältigt worden, immer mehr Frauen klettern 8c Routen. Wie lange wird es wohl noch dauern bis eine Frau eine gemischtgeschlechtliche Expedition anführt?