Yannick Graziani

Yannick Graziani 1973 Cagnes-sur-Mer (F)

“Auf den Achttausendern dreht sich alles um die Frage: Wie weit kann man gehen?”

Yannick Graziani ist ein Mann der (sehr) großen Höhen.

Seine erste Besteigung im Himalaya war der Roc Noir (7485 m). Mit seinen Freunden Christian Trommsdorff und Patrick Wagnon weihte er eine neue Route auf den einsamen Gipfel der Grande Barrière im Annapurna-Massiv ein. Das Trio wollte über eine Gratquerung zum Ostgipfel der Annapurna (8047 m). Sauerstoffmangel, Erschöpfung und Zweifel zwangen sie zum Abstieg - und zwar schnell.

Damit ist die „TGW-Seilschaft“ besiegelt. Das gefürchtete Trio besticht durch eine erstaunliche Schlagkraft. Ein Jahrzehnt lang wurden neue Routen eingeweiht, jenseits der bekannten Gipfel. Weit entfernt des kommerziellen Himalaya- Tourismus machten die drei Kletterer den „Alpinstil“ als einzige Alternative geltend: kein künstlicher Sauerstoff, keine Träger, keine präparierten Routen. Voller Einsatz als ultimative Philosophie – das Leben als Pfand. Yannick Graziani und seine beiden Freunde ließen eine Expedition auf die andere folgen und ernteten vielfach Prämien, für die gewagten Herausforderungen auf den Siebentausendern Nepals, Pakistans und Tibets.

Yannick Graziani Yannick Graziani Yannick Graziani
Seine größte Leistung

2013, Aufstieg im Alpinstil (Béghin-Lafaille-Route) durch die Südwand der Annapurna (8091 m, Himalaya, Nepal).

Sein Buch

100 alpinistes. Éditions Guérin, 2015.

Sein Film

On ne marche qu’une fois sur la lune. Christophe Raylat. 2013.

Wie der Anziehungskraft der Achttausender widerstehen? Yannick Graziani entschied sich für die Besteigungen einiger Gipfel. Trotz einiger Enttäuschungen konnte er außergewöhnliche Erfolge am Makalu, am Broad Peak und am Gasherbrum I feiern. Wieder und wieder kehrte er nach einigen Fehlschlägen zur Annapurna zurück. In einem großartigen 7-tägigen Aufstieg bezwangen Yannick Graziani und Stéphane Benoist die 3000 Meter hohe, gigantische Südwand. Am 24. Oktober 2013 standen sie auf dem Gipfel. Stéphane Benoist erlitt dabei schwere Erfrierungen und bekam obendrein eine Lungenentzündung. Graziani wusste, dass ihr Erfolg zum größten Teil am "technischen Können Stéphanes zurückzuführen war, der die schwierigsten Seillängen der Headwall überwand“. Jetzt aber geht es darum, wieder zurückzukehren. „Ich war supereffizient, es ging um unser Überleben.“ Zwei Tage und zwei Nächte benötigten sie für den Abstieg zu Camp 1. Stéphane Benoist war am Ende. Nach dem Aufwachen konnte er sich fast nicht mehr rühren. „Ich habe ihn angeschrien: ’Wir beide werden hier bestimmt nicht gemeinsam sterben!’“

Yannicks große Widerstandfähigkeit rettet die Seilschaft.

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Text: François Damilano
Fotos: ©Millet - Graziani