Walter Bonatti

Walter Bonatti 1930 Bergamo (IT)
2011 Rom (IT)

“Wenn man die Natur liebt, akzeptiert man auch, dass sie die Regeln diktiert”

Walter Bonatti ist eine Größe in der Welt des Alpinismus. Hinter irrsinnig kühnen sportlichen Errungenschaften stehen der Mensch und seine Integrität.

Bonatti ist keine 20, als er die karge Westwand der Aiguille Noire de Peuterey und die gefürchtete Nordwand der Grandes Jorasses durchklettert.
Bonatti ist 20, als es ihm gelingt, eine Route über mehrere Überhänge durch die Ostwand des Grand Capucin zu erschließen. Eine meisterhafte Demonstration der Möglichkeiten technischen Kletterns im Mont-Blanc-Massiv. „Bis zum heutigen Tag die größte Leistung beim Felsklettern“, kommentiert Gaston Rébuffat nüchtern. Noch heute ist man beim Aufstieg über die Bonatti/Ghigo am Grand Capucin fasziniert von der Intelligenz einer Route über eine zur Gänze überhängende Wand.

Mit knapp 24 Jährigesn gehört Bonatti dann zu dem italienischen Team, dem die Erstbesteigung des K2 gelingt (8611 m, zweithöchster Gipfel der Erde). Die Leistung, die ein Land, das sich nach dem Zweiten Weltkrieg nur schwer erholt, wieder mit Stolz erfüllt, wird von einer Lüge überschattet.

Walter Bonatti Walter Bonatti Walter Bonatti
Seine größte Leistung

17.-22. August 1955, Erstbesteigung – im Alleingang – des Westpfeilers des Petit Dru (3730 m, Mont-Blanc).

Sein Buch

Die Berge meines Lebens. Malik (National Geographic), 2011.

Sein Film

Finis terrae. Fulvio Mariani, 2008.

Bonatti wird beschuldigt, sich an den Sauerstoffflaschen bedient zu haben, die er für die Gipfelseilschaft hinaufträgt. Dieselbe Gipfelseilschaft will in über 8000 Metern Höhe ihr Zelt nicht teilen – wodurch Bonatti und Träger Madhi gezwungen sind, ohne Schutzausrüstung zu biwakieren – und behauptet in der Folge, sie habe bis zum Gipfel keinen Sauerstoff mehr nutzen können, da die Flaschen nicht mehr genügend von dem kostbaren Gas enthielten.
Zurück in Italien kann sich Bonatti kein Gehör verschaffen. Der in seiner Ehre gekränkte junge Kletterer macht eine schwere Krise durch, die mit der Besteigung des Westpfeilers der Drus im Alleingang und in nur fünf Tagen endet.
Der eindeutige Beweis für die Lüge wird erst 1993 in Form einer Fotografie erbracht, die Compagnoni am Gipfel des K2 zeigt. Eine Sauerstoffmaske bedeckt sein Gesicht: Die Gipfelstürmer hatten sehr wohl bis zum Ende ihres Aufstiegs Sauerstoff benutzt.

Der eindeutige Beweis für die Lüge wird erst 1993 in Form einer Fotografie erbracht, die Compagnoni am Gipfel des K2 zeigt. Eine Sauerstoffmaske bedeckt sein Gesicht: Die Gipfelstürmer hatten sehr wohl bis zum Ende ihres Aufstiegs Sauerstoff benutzt.

1959 wird er der erste technische Berater von Millet und hat aktiven Anteil an der Entwicklung vieler Bergrucksäcke.
Die Tragödie, die sich im Sommer 1961 am Frêney-Pfeiler ereignet, machte Bonatti endgültig zur Legende. Beim Versuch der Erstbesteigung des hohen Zentralpfeilers am Mont-Blanc verlieren vier Alpinisten aus zwei Seilschaften ihr Leben bei dem Versuch, sich vor einem ankommenden Sturm zusammenzuschließen. Die Überlebenden (Pierre Mazeaud, Roberto Gallieni) verdanken ihr Leben allein Bonattis Selbstlosigkeit und Zähigkeit.

1965 ist Walter Bonatti 35 Jähriges alt und tritt bravourös von der Bühne ab: mit der Erstbesteigung im Winter durch die steile Nordwand des Matterhorns. Über diesen schönen Erfolg schrieb er lediglich: „Bonatti ist ab sofort nicht mehr der Alpinist Bonatti.“

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Text: François Damilano
Fotos: ©Millet