Reinhold Messner

Reinhold Messner 1944 Tyrol (IT)

“Berge sind weder gerecht noch ungerecht. Sie sind nur gefährlich.”

In den 1960er Jahren galt Reinhold Messner als einer der besten Kletterer der Welt und stand für den neuen Alpinismus. Er konzentrierte sich auf Minimalismus und Schnelligkeit und setzte kontinuierlich völlig neue Standards: Solo in den akrobatischen Wänden der Dolomiten, Solo-Speedbesteigungen in den Nordwänden der Alpen (1969; Davaille in Les Droites in 8 Stunden, ausgerüstet lediglich mit Eispickel und Steigeisen). Die Theorie zu seiner Praxis lieferte Messner in Der 7. Grad, einem erfolgreichen Kultbuch, das die Bedeutung penibler Vorbereitung im Vorfeld der Besteigung hervorhebt.

Am 29. Juni 1970 befanden sich Reinhold und sein Bruder Günther am Gipfel des gefürchteten Nanga Parbat (8125 m). Erschöpfung setzte ein. Über die Aufstiegsroute abzusteigen, war ihnen nicht mehr möglich. Es fiel der Entschluss, über die ihnen unbekannte Wand gegenüber abzusteigen. Zur prägenden Erfahrung in dieser Höhe (Erstbegehung und Überquerung eines Achttausenders) kam die Tragödie (Günther kam bei einem Sérac-Abbruch ums Leben) und das Martyrium (nachdem Reinhold über mehrere Tage ins Tal geirrt war, wurden ihm sieben Zehen amputiert). Diese Geschichte sollte ihn zur Legende machen.

Reinhold Messner Reinhold Messner Reinhold Messner
Seine größte Leistung

Sommer 1980, Solo-Besteigung des Mount Everest ohne zusätzlichen Sauerstoff über eine neue Variante in der Nordwand.

Sein Buch

Gehe ich nicht, gehe ich kaputt. Reinhold Messner. 2020.

Sein Film

Messner. Andreas Nickel, 2012.

Als starker Verfechter des Alpinstils im Himalaya sprengte Messner sämtliche Grenzen: Seine Expeditionen begeht er mit so wenig Ausrüstung wie möglich, benutzt keine Fixseile und nimmt keine Hilfe von Trägern in Anspruch. Seine größten Leistungen: Erstbesteigung eines Achttausenders im Alpinstil (1975, Gasherbrum I mit Peter Habeler), Erstbesteigung des Mount Everest ohne künstlichen Sauerstoff (1978, mit Peter Habeler), Solo-Erstbesteigung des Mount Everest (1980 über eine neue Route, außerhalb der üblichen Jährigesszeit und ohne Sauerstoff), Aneinanderreihung zweier Achttausender ohne Zwischenstopp im Basislager (1984, Gasherbrum I und Gasherbrum II mit Hans Kammerlander).

Durch die Veröffentlichung zahlloser Bücher über seine Gipfelbesteigungen trägt der produktive Autor Messner mit zum Stoff der eigenen Legende bei.
Die ultimative Krönung erfolgte 1986, als er als erster Mensch alle 14 Achttausender der Erde ohne künstlichen Sauerstoff bezwang.
Seine größte Leistung? Schlau antwortet der alte Wolf: „Überlebt zu haben.“

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Text: François Damilano
Fotos: ©Millet