Patrick Edlinger

Patrick Edlinger 1960 Dax (F)
2012 La Palud-sur-Verdon (F)

“Klettern ist für mich kein Sport, es ist eine Lebenseinstellung”

Mitten hinein in den Materialismus der 1980er Jahre behauptete ein junger Blondschopf, dass lediglich ein Stirnband, ein Paar Kletterschuhe und diverse Kletterfelsen irgendwo in der Natur sein Leben zur Gänze ausfüllen könnten.

In dem dokumentarischen Kurzfilm La vie au bout des doigts des Regisseurs Jean-Paul Janssen entdeckt das Publikum gebannt eine Zusammenfassung seines Kletterns. Solo, mit nur einer Hand auf dem Griff, über dem Abgrund schwebend, in schwindelerregenden Höhen. Herzklopfen und Atmung im Gleichklang mit einigen Takten elektronischer Musik erzeugen einen hypnotischen Anblick. Was gesprochen wird, erinnert mit seinen freiheitsliebenden Klängen an Werte der damaligen Zeit. Der Film wurde mit dem Preis Sept d’Or ausgezeichnet und für einen César und den Oscar nominiert. Edlinger wird laut Umfrage zur „Beliebtesten Persönlichkeit der Franzosen“.

Eine Legende wurde geboren.

Patrick Edlinger Patrick Edlinger Patrick Edlinger
Seine größte Leistung

Orange mécanique (Cimaï, 1989). 8a en solo.

Sein Buch

Rock games. Gérard Kosicki. Éditions Arthaud,1986.

Sein Film

Opéra vertical. Jean-Paul Janssen. 1982.

Patrick Edlinger hat das Klettern ohne Seil nicht erfunden, er hat es verkörpert. Sein überaus geschmeidiges – beinahe perfektionistisches – Klettern setzte sich über die traditionelle Bergsteigerschule hinweg. Seine androgyne Erscheinung, die Körperbeherrschung und seine Missachtung des Risikos: Diese neue Art des Kletterns lässt zwei Jahrhunderte Alpinismus alt aussehen und eine ganze Generation identifiziert sich mit „Le Blond“ und träumt vom Aufbruch zu den Felsen.
Edlinger nutze diesen Ruhm und drehte einen weiteren Film mit Jean-Paul Janssen – Opéra vertical. Gleichzeitig tut er sich mit dem talentierten Fotografen Gérard Kosicki zusammen und lässt schöne Kletterbilder entstehen, die Stil und Performance auf den Punkt bringen.

Patrick Edlinger erhebt das ungesicherte Freiklettern zur ultimativen Disziplin. „Free Solo ist der reinste Stil, den es gibt. Du konzentrierst dich voll auf deine Bewegung, deine Motivation ist zehnmal stärker. Es gilt nur das Hier und Jetzt. Du gehst auf die Suche nach dir selbst. Der Abgrund? Eine Abstraktion.“ Er erweitert die Grenzen des Solokletterns auf ein nie zuvor erreichtes Niveau: in atemberaubenden Mehrseillängen in der Verdon-Schlucht, oder auf Anfrage vor laufender Kamera, als er die Route Orange mécanique (8a) im damals höchsten Schwierigkeitsgrad kletterte.
Auch wenn keine Kameras dabei waren, lies der Kletterer nicht von hohen Schwierigkeitsgraden ab, im Gegenteil - er verschob die Skala weiter nach oben. Etliche On-Sight-Begehungen mehrerer Routen, die in der Kletterwelt als am schwierigsten geltenden, gingen auf sein Konto. Manchmal verspottete er die Konkurrenz, indem er einige Gebiete in der Schwierigkeitsbewertung herabstufte. (Les Spécialistes in der Gorges du Verdon, 8c, herabgestuft auf 8b+).

Als einfallsreicher, technischer Berater bringt er 1982 zusammen mit Millet die erste, zu 100% für den Klettersport konzipierte Textilkollektion heraus: All Free.
Ende der 80er Jahre wurde das Klettern zu einem wettbewerbsfähigen Sport. Patrick Edlinger hat sich zwar dieser Entwicklung nicht in den Weg gestellt, sie aber auch nicht besonders gemocht. Die ersten internationalen Veranstaltungen gaben ihm jedoch Gelegenheit, seine Starposition zu behaupten. 1986 gewann er den Wettkampf in Bardonecchia (IT), wo damals die Weltelite der Disziplin zusammenkam. Später wiederholte er diesen Erfolg in Snowbird (USA).

Patrick Edlinger?
Talent, Klasse, Mumm.
Ende der Geschichte...

Return
Text: François Damilano
Fotos: ©Millet