Louis Lachenal

Louis Lachenal 1921 Annecy (F)
1955 Vallée Blanche (Mont-Blanc)

“Die Berge waren keine Sonntagsbeschäftigung, sie waren mein Leben.”

Lachenal-Terray, Terray-Lachenal – die ruhmreichste Seilschaft der Nachkriegszeit! Das legendäre Duo inspirierte immer wieder neue Bergsteigergenerationen. Freundschaft, tiefe Verbindung und alpine Effizienz verbinden diese beiden, talentierten Kletterer. Gemeinsam erreichten Sie viele Ziele: zum Beispiel die vierte Besteigung des Walker-Pfeilers in der Grandes Jorasses Nordwand (1946), oder die zweite Besteigung der gefürchteten Eiger-Nordwand (1947). Kein Wunder, dass die brillanten Geschichten auch heute noch diese Faszination vermitteln. „Was Lachenal über alles liebte, war das Gefühl der Entmaterialisierung, eine Befreiung von der Schwerkraft, die man beim Bergsteigen und bei der Ausführung der perfekten Technik spürt.“ lobte Terray die herausragenden Kletterfähigkeiten seines Seilpartners.

Bis zu den dramatischen Ereignissen an der Annapurna waren die „Tiger“ – so ihr Spitzname innerhalb der Gemeinde von Chamonix – untrennbar miteinander verbunden.

Louis Lachenal Louis Lachenal Louis Lachenal
Seine größte Leistung

1949, Besteigung des Ostgrat Dent du Crocodile, der Ostwand Dent du Caïman und der Ryan-Route zur Aiguille du Plan (Mont-Blanc) an nur einem Tag.

Sein Buch

Große Bergfahrten. Louis Lachenal. Nymphenburger Verlag, 1975.

Sein Film

Victoire sur l’Annapurna.
Marcel Ichac, 1953.

Am 3. Juni 1950 erreichten Louis Lachenal und Maurice Herzog den Gipfel der Annapurna. Dort oben wurde Seilschaftsgeschichte geschrieben. Für kurze Zeit standen zwei Männer auf dem Dach der Welt – der erste Achttausender wurde endlich bestiegen. Lachenal spürte, wie seine Füße langsam zu erfrieren gegannen, trotzdem blieb er angesichts von Herzog´s mystischer Angezogenheit durch den Gipfel dennoch an seiner Seite. „Mein Eindruck war, dass er den Weg zurück allein nicht schaffen würde.“ Lachenal gehorchte seiner Pflicht als Bergführer. Auf dem Gipfel fotografierte er den Helden, der die kleine Nationalflagge, befestigt am Stiel seines Eispickels, in die Höhe reckte. Ein Gipfelfoto von Lachenal gibt es umgekehrt nicht. Jedem seine Rolle, jedem seinen Platz.
Der chaotische Abstieg bei Sturm und die Evakuierung der schwerstlädierten Helden waren ein Alptraum. Er erinnerte sich nur noch an den Monsun, Krankentragen und an amputierte Finger und Zehen. Als sie schließlich in das Flugzeug stiegen, dass sie zurück nach Paris bringen sollte, trug Lionel den verwundeten und verstümmelten Körper von Louis hinein. Aus den Augen beider Männer sprach nur noch das schwere Trauma. Seit mehr als 70 Jahren speist diese Geschichte nun die Himalaya Mythologie.

Die Jahre nach der Annapurna waren grausam: Der Verlust sämtlicher Zehen und Finger, die Bitternis eines vergänglichen Moments der Herrlichkeit, ein innerer Druck, nicht die eigenen Expeditionstagebücher zu veröffentlichen. Doch der Lebenshunger verlies weder den Menschen noch den Bergführer Louis Lachenal. Er kehrte zurück auf seinen Posten als ENSA-Dozent der Staatlichen Bergführerausbildung und als Trainer der französischen Ski-Nationalmannschaft.

Trotz heftigen Gegenwindes fuhr er im November 1955 mit Skiern durch das Vallée Blanche. Louis Lachenal stürzte in eine der ersten Gletscherspalten.

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Text: François Damilano
Fotos ©Millet