Lionel Terray

Lionel TERRAY 1921 Grenoble (F) - 1965 Gerbier (F)

“Wenn das Abenteuer immer wiederkehren soll, müssen sich die Eroberer auf eine Ebene mit den Bergen stellen.”

Der Eroberer, was für eine Schlagzeile! Niemand hat Lionel Terray und seine berühmte Autobiographie darin je übertroffen.
„Geboren am Fuß der Alpen, habe ich mein ganzes Leben den Bergen gewidmet. Ehemals war er Ski-Champion, später von Berufswegen Bergführer und gleichzeitig ein Alpinist im Wettlauf um die großen Wände. Als Teilnehmer von acht Expeditionen in den Anden und im Himalaya, schrieb er Geschichte. Dass ich hierhergehöre, darf ich wohl für mich beanspruchen.“ Eine Spur Anmaßung, eine große Portion Authentizität und ein erklärtes Ideal: den Mensch und seinen Stil als Bergsteiger zu vereinen.

Er war ein Alpinist im Wettlauf um die großen Wände – so viel stand fest. Terray symbolisiert den modernen Alpinismus durch sein Können, bei der Wiederholung der schwierigsten Routen der Nachkriegszeit. Das mitreißende Duo, dass er mit seinem Freund Louis Lachenal bildete, machte sich mit der Begehung des Walker-Pfeilers in der Nordwand der Grandes Jorasses einen Namen (1946, vierte Begehung), gefolgt von der legendären Eiger-Nordwand (1947, zweite Begehung). Durch die Leichtigkeit, die sie an den Tag legten, in Kombination mit ihrer tiefen Freundschaft wurde die Seilschaft Terray-Lachenal zum Inbegriff eines außergewöhnlichen Bergsteigerduos.

Lionel Terray Lionel Terra Lionel Terray
Seine größte Leistung

1955, Erstbegehung des Fitz Roy mit Guido Magnone (3405 m, Patagonien, Argentinien).

Sein Buch

Les conquérants de l’inutile. 1961 Éditions Gallimard. 1997 Éditions Guérin.

Sein Film

Les étoiles de Midi. Marcel Ichac. 1959.

Als Aushängeschild unter den Bergprofis wurde Lionel Terray für das Annapurna-Abenteuer 1950 ausgewählt. Dass die französische Expedition die Besteigung des ersten Achttausenders erfolgreich meisterte, war in erster Linie auf die mit Bedacht ausgesuchten Teammitglieder zurückzuführen. Terray war seelisch wie physisch eine wesentliche Stütze. Gemeinsam mit Gaston Rébuffat brachte er Herzog und Lachenal zurück ins Tal, nachdem letztere mit erfrorenen Händen und Füßen vom Gipfel zurückkamen.
Nach der Annapurna war nichts wie zuvor. Sein Freund Lachenal erholte sich nur schwer von seinen Amputationen, durch den Erfolg verharrte jeder Teilnehmer eine Weile in einer Karikatur seiner selbst. Seine Tätigkeit als Vortragender half Terray über die Zeit hinweg, doch kehrte er schnell zu den Gipfeln zurück. Die Entdeckung Nepals hatte sein Interesse für die Berge weltweit geweckt, die er fortan als neugieriger Alpinist und einfallsreicher Führer durchstreifte.
Fitz Roy in Patagonien, Makalu (der fünfthöchste Berg der Welt), mehrere Siebentausender in Nepal und ein halbes Dutzend Andengipfel. Schließlich der Jannu (7710 m), zweifellos die perfekte Synthese angesichts dessen, was Terray auszeichnete: Entdeckergeist und Leistungsbereitschaft. Indem er diesen beeindruckenden Gipfel im äußersten Osten Nepals ins Visier nahm, reihte sich Terray erneut in die Bergsteigerelite ein. Unter seiner Führung schaffte es das gesamte Team auf den Gipfel.

Mit 40 Jahren ging Lionel Terray der Frage nach, was ihn als Alpinisten antreibt: „Mein Wille ist nicht mehr ganz so unbeugsam, und meinem Mut sind stärkere Grenzen gesetzt.“ Ein strenges Selbstbild angesichts der Erfolge, die sich in seinem Gipfeltagebuch weiterhin aneinanderreihten: der schwierige Nilgiri in Nepal (7061 m), der spektakuläre Nevado Chacraraju in Peru (6112 m, ein damals als unbezwingbar geltender Berg), der weit entfernte Mount Huntington in Alaska.
Bis zum 16. September 1965, als Lionel Terray und Marc Martinetti zu einer Besteigung in einer der schönsten Kalkwände der Alpen aufgebrochen sind. Ihre Körper könnten nur noch leblos am Fuße des Gerbier aufgefunden werden.

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Text: François Damilano
Fotos: ©Millet