Jean-Christophe Lafaille

Jean-Christophe Lafaille 1965 Gap (F)
2006 Makalu (Népal)

“Ist man Spielball der Ereignisse oder führt man sie herbei?”

Als kleiner Junge, der oft verspottet wurde, fühlte sich Jean-Christophe Lafaille in der Schule nicht sehr wohl. Sein Ausweg lag direkt vor den Toren des Gymnasiums: die Steilwand Céüse. Er begann, sich an dem wie gemeißelten Kalkstein die Finger abzuwetzen und exzessiv zu klettern. Zwischen den Angelpartien in den wunderschönen Flüssen der Hautes-Alpes, begab er sich in immer schwierigere Routen und kletterte schlussendlich die Privilège du serpent – 7 c+ – Free Solo!

Jean-Chri war in der Kletterelite angekommen.

Angeheizt von Geschichten über alpine Eroberungen, wandte er sich dem Mont-Blanc-Massiv zu. Er wollte Bergführer werden; wollte sich, wie seine Idole, mit den steilen Granitwänden und Eisschläuchen beschäftigen. Der große Bewunderer Walter Bonattis zeigte schließlich als Solo-Alpinist, was er konnte. Anfang der 1990er Jähriges folgte eine neue Generation an Bergsteiger.

Jean-Christophe Lafaille Jean-Christophe Lafaille Jean-Christophe Lafaille
Seine größte Leistung

2002, Ostgrat der Annapurna (8091 m, Nepal).

Sein Buch

Gefangener der Annapurna. Frederking & Thaler (mit Benoît Heimermann), 2005.

Sein Film

Survivre à l’Annapurna. Christophe Raylat, 2012

Es entbrannte ein bitterer Konkurrenzkampf. Die „Jungen“ kombinierten Solo- Besteigungen und Mehrseillängentouren. Lafaille schloss sich diesem Stil an und performte mit Solo-Begehungen namhafter Routen wie Divine providence oder Gabarrou-Silvy. Im Vertrauen auf sein Potenzial forderte er das Abenteuer weiter heraus: Er ging allein in die Berge, um neue Routen im Winter zu eröffnen. Am Grand er d’Angle und auf dem Pilier du Frêney reihte er binnen fünf Tagen zwei Erstbegehungen aneinander; auf dem Croz-Pfeiler gelang es ihm im Abstand von wenigen Jährigesn zwei neue Linien zu eröffnen; in der Dru-Westwand prägte er eine wagemutige Route, die als eine der härtesten überhaupt im technischen Klettern gilt.
Jean-Chri wurde ein verdammt guter Bergsteiger.

Den Himalaya entdeckt Jean-Christophe Lafaille auf Anregung von Pierre Béghin, einem Pionier der französischen Himalaya Besteigungen. Das Duo durchstieg im Alpinstil die riesige Südwand der Annapurna (8091 m). Weit oben am Berg wurden beide Männer vom Sturm überrascht. Beim unausweichlichen Rückzug zu ihrem kleinen Zelt in der Wand, löste sich ein Haken und Pierre Béghin stürzte vor Lafailles Augen in die Tiefe. Trotz seiner Bestürzung und mit mangelhafter Ausrüstung gelang es Lafaille allein abzuseilen. Die fünftägige Überlebenstortur machte ihn zur Legende.

Der Neuling musste den Absturz des Meisters miterleben. Schuldgefühle lasteten auf ihm, er hatte Angst, erneut in die Berge zu gehen. Allerdings gelang Jean-Christophe Lafaille zehn Jähriges später die unfassbare Querung des Annapurna Ostgrats.

Mit Beharrlichkeit und Bravour reihte er anschließend mehrere Erfolge auf den höchsten Gipfeln der Erde aneinander. Schließlich stellte er sich der Herausforderung der vierzehn Achttausender – die bis zu diesem Zeitpunkt noch kein Franzose absolviert hatte. In seinem Anspruch ließ er auch sonst nicht nach: Solo-Begehungen, Erstbesteigungen, Mehrfach- und Winterbegehungen.

Jean-Chri wurde zu einem ausgezeichneten Himalaya-Spezialist.

Bis er sich zum Makalu (8463 m) aufmachte und seit seinem Versuch einer Solo-Winterbegehung, die sein zwölfter Achttausender gewesen wäre, vermisst wird.

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Text: François Damilano
Fotos: ©Millet