Françoise Aubert

Françoise AUBERT 1960 Valence (F)

“Als ich das Bergführerabzeichen erhielt, fühlte ich mich erleichtert”

Ihre größte Leistung

1987, Solo-Erstbesteigung der Jackson-Route in der Droites-Nordwand (4001 m, Mont-Blanc).

Ihr Buch

Grandes Jorasses, Nordwand. Julien Désécures, JMEditions, 2013.

Ihr Film

Guide au féminin. Jean Afanassieff und Roland Théron. MC4/Antenne 2, 1990.

Als Françoise Aubert 1989 Bergführerin wird, verschafft sie Frauen endgültig einen festen Platz in einem damals noch stark genderspezifischen Beruf. Sie ist weder die Tochter noch die Gefährtin eines Bergführers, als sie still und heimlich dem legendären Berufsstand als dritte Frau beitritt. Sie berichtet einfach, wie sie von „ganz von allein“ in die Berge gekommen ist.

Françoise Aubert verlässt den sonnenbeschienenen Kalkstein ihrer Heimat Drôme und tauscht ihn gegen die kargen Nordwände und vereisten Wasserfälle. Sie fordert nicht, sondern klettert einfach nur. Im Alltag zieht sie es vor, mit gutem Beispiel voranzugehen. Manchmal ist sie sogar „Solo“ unterwegs, meistens aber führend, denn das gemeinsame Bergerlebnis mit Kunden oder Freunden ist ihr wichtig. Vor allem sind es Personen, mit denen sie die Leidenschaft ein Leben lang verbinden wird. Durch die Komplexität und Effizienz einer Seilschaft erübrigt sich jegliche Frage der Hierarchie.

Sie stößt Türen auf, die noch fest verschlossen waren. Zwar haben sich Frauen Anfang der 1990er Jähriges beim Klettern durchgesetzt, aber weibliche Schlüsselfiguren im Alpinismus sind ausgesprochen rar. Françoise Aubert hofft, dass mehr Frauen ihrem und dem Vorbild ihrer Kolleginnen (Martine Rolland und Sylviane Tavernier) folgen werden und den Beruf der Bergführerin ergreifen.
Die 1980er und 1990er Jähriges waren das goldene Zeitalter des Eiskletterns. Françoise Aubert ist Teil dieser Geschichte und macht heute noch die Vorzeigespots von Oisans und Mont-Blanc unsicher. Lehrgänge, Führungen, Erkundungen: Als erste Bergführerin spezialisierte sie sich auf diese hochanspruchsvolle Winterdisziplin. Sie prägte das Eisklettern nachhaltig und führte spektakuläre Erstbesteigungen durch. (Les liaisons dangereuses am Mont Arnuva – IT ; Les tubes de Folly im Cirque du Fer à Cheval – F).
Auf den großen Nordwänden des Mont-Blanc absolvierte Françoise Aubert beeindruckende Solo-Anstiege, darunter die erste weibliche Solo-Besteigung von Ginat in den Les Droites. Gemeinsam mit Jean-Christophe Lafaille gelang ihr die Eröffnung einer neuen Route durch die Grandes Jorasses Nordwand. So wird sie die erste, und bis heute einzige Frau, die eine Erstbesteigung durch diese legendäre Alpenwand eröffnen konnte (dies noch dazu im Winter). Die Route Michto wurde an einem einzigen langen Tag, dem 2. März 1997, ohne Aufmerksamkeit zu erregen, eingeweiht. Zehn lange Jähriges sollten vergehen, bevor die Route zum ersten Mal wiederholt werden konnte.

Sie hilft mit ihrem starken Engagement Bergsportausrüstern wie Millet, Produkte zu entwickeln und zu designen, die speziell auf weibliche Bedürfnisse angepasst sind. So hat sie als Beraterin bei der Eröffnung von Damenkollektionen assistiert, textile Passformen bearbeitet oder geholfen, Rucksack-Tragesysteme anzupassen.

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Text: François Damilano
Fotos: ©Millet