Christophe Profit

Christophe Profit 1961 Rouen (F)

“Es gibt drei Dinge, die ich jedes Mal tun möchte, wenn ich in die Berge gehe: Das Verfolgen der eigenen Route, raus aus der Komfortzone und mich an die Umwelt anpassen.”

Christophe Profit ist eine Koryphäe im Alpinismus.
Wenn er von den Bergen spricht, geht es immer auch um das Glück, dort oben zu sein, um den persönlichen Einsatz und die Notwendigkeit, seinen eigenen Weg zu gehen – was ihm bestens gelungen ist!

Sommer 1982: Christophe Profit imponiert der Bergwelt durch seine Free Solo-Besteigung der legendären Directe américaine (in einer beeindruckenden Rekordzeit von 3 Std. 10 Min.). „Als Kind habe ich mir immer vorgestellt, die Dru-Westwand in normaler Geschwindigkeit hinaufzuklettern.“ 1200 Meter bestehend aus senkrechter eindrucksvoller Granitkletterei. Sieht man die Bilder von dem Athleten wieder, wie er in seinem roten, ärmellosen T-Shirt gleichmäßig Zug um Zug die Verschneidungen im Granitfelsen kletterte, geht es einem durch und durch.

Christophe Profit Christophe Profit Christophe Profit
Seine größte Leistung

1991, neue Route im Alpinstil über den Nordwestgrat des K2 (8611 m, China).

Sein Buch

100 alpinistes. Porträt von Profit von Gilles Chappaz. Éditions Guérin, 2015.

Sein Film

Christophe. Nicolas Philibert. Maison du Cinéma de Grenoble, 1985.

Die Journalisten redeten damals noch nicht von Speed-Climbing, aber Christophe Profit sprengte jede Zeit: 2,5 Stunden für die Droites Nordwand, 4,5 Stunden für das „North Couloir Direct“ in den Les Drus, keine zehn Stunden für die erste Solo-Besteigung der Eiger-Nordwand in einem Tag, 32 Stunden für die Intégrale de Peuterey im Winter. Angesichts dieser Geschwindigkeit und Leichtigkeit kann er auch die Aneinanderreihung der legendären Alpen-Nordwände ins Auge fassen: Matterhorn / Eiger / Grandes Jorasses. Im Juli 1985 gelang ihm die Besteigung aller drei Wände an einem Tag.

Profit ist die Speerspitze einer neuen Generation von Alpinisten, gut ausgebildet, vielseitig und äußerst motiviert. Es sind verrückte Jähriges, in denen die Kletterer ihre Erfolge sichtbar und messbar machten. Mitte der 1980er Jähriges wurden die Medien eingeladen, über das große Spektakel von „L’alpinisme en direct“ zu berichten. Es gab viele Spekulationen über mögliche Projekte. Angeheizt wurde die Story, als bekannt wurde, dass Eric Escoffier und Profit sich ein Duell um die erste Besteigung der Alpentrilogie lieferten. Die Kameras versuchten nicht zuletzt alle Szenen per Hubschrauber einzufangen, kurze Zeit später waren sie die Stars in den Fernsehnachrichten und auf den Titelseiten der Zeitungen. Das Duell Profit - Escoffier heizte die Berichterstattung an: „Dieser Wettbewerb zwischen uns hat die Messlatte so hoch gelegt, dass wir viel stärker geworden sind.“ Im März 1987 entschied Christophe Profit, der ausgeglichener und besser vorbereitet war, das Rennen mit einer in 42 Stunden absolvierten Winter-Trilogie für sich. „Nach Profit ist die Geschichte des Alpinismus tot“ schrieb etwas provokant der Schriftsteller Yves Ballu.

Nach derartigen Erfolgen zogen die Gipfel des Himalaya Christophe Profit in ihren Bann. Am 15. August 1991 stand er mit Pierre Béghin auf dem Gipfel des K2. Das Duo hatte soeben den zweithöchsten Berg der Erde auf einer neuen Route im Alpinstil bezwungen. „Volles Engagement, perfekte Übereinstimmung.“ Was soll jetzt noch kommen? Wie kehrt man in das Land der Menschen zurück?

Profit fühlte sich nicht mehr wohl in der medialen Vermarktung seiner Heldentaten und widmet sich seither dem Beruf als Bergführer.
Weil das Miteinander Freude macht.
Weil er sich da oben wirklich lebendig fühlt.

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Text: François Damilano
Fotos: ©Millet - Christophe Profit